Eine Graupner-Oper entsteht
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Seit Monaten sind Dirigent und Regisseurin im Austausch, die Spielfassung für die Darmstädter Aufführung ist erstellt. Die fünf jungen Sänger:innen lernen ihre Rollen, und nun nehmen die Vorbereitungen konkrete Gestalt an. Wir berichten in den kommenden Wochen von den einzelnen Stationen. In einzelnen Beiträgen stellen wir die verschiedenen Schritte, Arbeiten und Formate einer Opernproduktion von Graupner vor.
Probenbetrieb • Das Orchester • Der Spielort • Erste Proben • Musikalische Leitung • Regie • Der Tänzer • Die Tänzerin • Rolle: Alindor • Rolle: Amintas • Rolle: Atalanta • Rolle: Meleagro • Rolle: Silvia • Die Oper • Bühnenbild
ProbenbetriebIn Eberstadt laufen die szenischen Proben auf Hochtouren. Das Bühnenbild steht bereits, die Sänger tragen Probenkostüme (um sich an die voluminösen barocken Ausmaße zu gewöhnen). Intensiv erläutert Regisseurin Sigrid T’Hooft die Prinzipien der historischen Gestik, mit der die italienischen Gesangstexte verdeutlicht werden. Noch wird ohne Orchester geprobt, der italienische Korrepetitor (zugleich als Sprachcoach tätig) begleitet am Tasteninstrument. Wieder und wieder werden die Szenen wiederholt, die jungen Sänger lernen auch gegenseitig voneinander und tauchen immer tiefer in die Welt der historischen Aufführungspraxis ein. |
25. Mai 2026
Das Orchester: Ensemble Ex TemporeDas auf barocke Musizierpraxis spezialisierte Ensemble setzt sich aus Absolventen verschiedener Musikhochschulen vor allem aus Deutschland und Belgien zusammen, gegründet wurde es von Florian Heyerick. Schwerpunkt seines Repertoires ist die Musik des 17. und 18. Jahrhundert, sowohl in vokal-instrumentaler Kombination (vor allem Kantaten), aber auch rein instrumental. Bevorzugt bringen die Musiker bislang unentdecktes Repertoire der Barockzeit zum Klingen. Konzertreisen (unter anderem mit Sigiswald Kuijken und Reinhard Goebel) haben das Ensemble in verschiedene europäische Länder geführt. Zudem hat es zahlreiche CDs eingespielt. |
20. Mai 2026
Der Spielort: Der Ernst-Ludwig-SaalDer Ernst-Ludwig-Saal in Eberstadt wurde im Jahr 1906 als Kultursaal errichtet und nach Großherzog Ernst Ludwig von Hessen benannt. Im Volksmund ist er auch als Schwanensaal bekannt, da er ursprünglich zur benachbarten Gaststätte „Zum Schwanen“ gehörte. Diese Gaststätte wurde im Jahr 1985 abgerissen; der Saal blieb erhalten, nicht zuletzt dank des Engagements einer Bürgerinitiative. Er steht heute unter Denkmalschutz. Über Jahrzehnte hinweg diente der Saal als Veranstaltungsort für Theateraufführungen, Konzerte, Vereinsaktivitäten, Feiern und politische Versammlungen. Seine Geschichte spiegelt auch die Brüche des 20. Jahrhunderts wider: Vor dem Parteiverbot im Jahr 1933 fand hier die letzte Versammlung der SPD statt; später wurde der Raum unter anderem als Soldatenlazarett, Flüchtlingsheim und Möbellager genutzt. Für die Aufführung einer Graupner-Oper ist dieser Ort besonders geeignet: Es handelt sich nicht um einen neutralen Veranstaltungsraum, sondern um einen Saal mit Bühne, Galerie und lokalem Gedächtnis. Die Neuinszenierung barocken Musiktheaters an diesem Ort ermöglicht eine unmittelbare Begegnung zwischen Darmstädter Musikgeschichte und Eberstädter Stadtteilgeschichte. Die Dotter-Stiftung unterstützt die geplante Renovierung des Ernst-Ludwig-Saals finanziell. |
16. Mai 2026
Die ersten szenischen ProbenAm Montag starteten die szenischen Proben im Ernst-Ludwig-Saal in Eberstadt. Die Bühne war zwar noch leer, aber die Kulissen und Kostüme kamen am Dienstagabend an. Sigrid T’Hooft, die Regisseurin, und Florian Heyerick, der musikalische Leiter, arbeiten Hand in Hand, die seit Monaten von den jungen Sängern einstudierten Partien mit Bewegung, Ausdruck und Gestik zu verbinden. Gestik ist das zentrale Mittel der Regie, die sich an barocken Vorbildern orientiert. Für die Sänger:innen ist das ungewohnt, deshalb muss intensiv geprobt werden, die einzelnen Arien werden mehrmals wiederholt. Noch ist der Saal ziemlich leer, es fehlen die Orchestermusiker, stattdessen begleitet Florian Heyerick am Tasteninstrument, und spielt die Partien der Geigen und übrigen Instrumente mit. Die Sängerinnen sollen schon eine Vorahnung bekommen, wie es in zwei Wochen, wenn die Endproben mit dem Orchester beginnen, klingen wird … |
14. Mai 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Musikalische LeitungFlorian Heyerick ist Cembalist, Dirigent und Blockflötist. Er studierte in Brüssel, Gent und Löwen und erwarb Diplome in Blockflöte, Querflöte und Kammermusik. An der Universität Gent studierte er Musikwissenschaft. Von 1986 bis 1990 war er Dozent für Kammermusik (moderne und historische Instrumente) und Gesang am Konservatorium Antwerpen. Seit 1990 ist er Professor für Chor, Chorleitung, Interpretation alter Musik, Operngeschichte und Musiksoziologie an dem der Universität Gent angeschlossenen Institut für Musik. Er ist der Begründer des CD-Labels "Vox Temporis", mit dem er mehr als 50 Produktionen einspielte. In den letzten Jahren tritt er verstärkt als Spezialist für die Musik Graupners in Erscheinung und hat u.a. beim Label CPO mehrere CDs mit Musik Graupners produziert. Florian Heyerick ist auch Gründer (1989) und musikalischer Leiter des Ensembles Ex Tempore. Er ist regelmäßig Gastdirigent international bekannter Barockorchester, darunter Musica Antiqua Köln oder Concerto Amsterdam. In seiner Heimatstadt Gent rief er 2017 das Festival Cydonia Barocca in Leben, das sich jährlich zu Pfingsten einem bestimmten Instrument widmet. |
11. Mai 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? RegieSeit Sigrid T'Hooft 2009 Händels Radamisto am Badischen Staatstheater Karlsruhe inszenierte und choreografierte, gilt sie international als Referenz für das Verständnis historischer Theatersprache. Nach ihrem Musikwissenschaftsstudium an der Universität Leuven arbeitete sie als Rundfunkredakteurin für klassische Musikprogramme und machte sich gleichzeitig einen Namen als Tänzerin/Choreografin und Opernregisseurin mit Spezialgebiet Historische Aufführungspraxis. Regie- und Choreografie-Arbeiten führten sie u.a. an das Goethe-Theater Bad Lauchstädt, das Schlosstheater Drottningholm (Schweden), das Nationaltheater Oslo (Norwegen) sowie zu den Festivals in Halle, Göttingen und Innsbruck. Sie inszenierte über 30 Opern – viele davon mit historischem Tanz im Vordergrund und führte auch zahlreiche pädagogische Projekte an Musikhochschulen in ganz Europa durch. Zudem ist sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin der Corpo Barocco Dance Company in Belgien. Als erfahrene Forscherin unterrichtet sie historischen Tanz und historisches Schauspiel in ganz Europa, darunter an den Hochschulen in Leipzig, Den Haag oder Basel (Schola Cantorum) oder dem Königlichen Konservatorium Brüssel. 2026 folgt sie einer Einladung an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. |
07. Mai 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Der TänzerNiels Badenhop studierte, nach einer Lehre als Kostümschneider am Opernhaus Nürnberg, in Berlin Gesang, Musik- und Theaterwissenschaft. Zudem machte er eine Tanzausbildung in der Ballettakademie Gelvan in Berlin. Früh spezialisierte er sich auf alte Musik und historische Aufführungspraxis. Heute lebt er in der Mecklenburger Seenplatte und arbeitet als Musiker, Tänzer, Schauspieler, Regisseur und Choreograph. Er ist Dozent für historische Gestik und historischen Tanz an diversen Hochschulen in Deutschland und Österreich. Zudem ist er als Bühnenbildner und Kostümbildner im Bereich historische Aufführungspraxis tätig. In dieser Funktion hat er schon mehrere Produktionen von Sigrid T'Hooft begleitet. |
30. April 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Die TänzerinDie Tänzerin: Doris von der Aue. Nach dem Studium an der Folkwangschule Essen und am Tanztheater Hamburg erwarb sie ihren Abschluss an der Rotterdamse Dansacademie. Von 1989 an spezialisierte sie sich auch im Historischen Tanz und arbeitet als Tänzerin, Dozentin, Choreographin und Repetitorin in verschiedenen Tanz- und Opernproduktionen renommierter Ensembles in ganz Europa, darunter bei den Händelfestspielen in Halle oder dem Festival für Alte Musik Malmö sowie dem Barocktanztheater Bremen. Mit ihrem Tanzpartner Niels Badenhop hat sie bereits zahlreiche Projekte realisiert. |
26. April 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Rolle: AlindoAlindo: Tenor, kleine Rolle: Diener Meleagros, lässt sich, auf Liebe hoffend, dennoch von Silvia für ihre Zwecke einspannen. Wichtigste Rolle für den guten Ausgang des Stücks: Als er Silvias Intrige begreift, verrät er sie. So finden Meleagro/Tirsis und Atalanta/Cloris endlich zueinander. David Jakob Schläger (Tenor) schloss 2025 sein Masterstudium bei Prof. Thomas Dewald an der Hochschule für Musik in Mainz ab, wo er zuvor Opern- und Konzertgesang im Bachelor-Studiengang absolviert hatte. Er ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe. Im Opernfach gehören die großen Tenorpartien Mozarts zu seinem Repertoire. Als Konzerttenor ist Schläger regelmäßig in den Passionen Bachs, den Requien von Mozart oder Verdi oder Mendelssohns Paulus und Elias zu hören, Konzertreisen führten ihn bis nach China. Auch im Liedfach ist David aktiv. |
21. April 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Rolle: AmintasAmintas: Mezzo, mittlere Rolle: unglückliche Gestalt: ehemals Geliebter von Silvia, inzwischen verlassen, liebt sie aber noch immer, lässt sich von Silvia als Werkzeug ihrer Intrigen benutzen, um die Liebenden Meleagro (Tirsis) und Atalanta (Cloris) auseinanderzubringen. Die aus England stammende Lucy Gibbs (Mezzosopran) schloss ihr Studium am Royal College of Music in London mit Auszeichnung ab, wo sie mehrere Stipendien erhielt. Ihr internationales Operndebut gab sie in Glucks „Iphigénie en Tauride“ an der Opera Ballet Vlaanderen. Ihr Repertoire ist weit gespannt und schließt auch zeitgenössische Werke ein. Neben dem Operngesang widmet sich Lucy auch den großen oratorischen Werken. Sie hat an Meisterkursen bei Paul Daniel, Sasha Cooke, Anne Sophie von Otter und Dorothea Röschmann teilgenommen. Zu ihren kommenden Auftritten zählt u.a. die Titelrolle in Gilbert & Sullivans Iolanthe. |
16. April 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Rolle: AtalantaAtalanta („Cloris“): Sopran, große Rolle: Prinzessin von Arkadien, erwidert die Liebe des Fremden, der sich ihr als „Tirsis“ vorstellt – auch sie ist unter dem falschen Namen „Cloris“ unterwegs. Muss harte Prüfungen erdulden, bis sie und Tirsis/Meleagro zusammenfinden. Die Dänin Emilie Jønsson (Sopran) widmet sich schwerpunktmäßig der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts (Monteverdi, Bach, Hasse etc.). Nach ihrem Bachelorstudium am Syddansk Musikkonservatorium in Odense, Dänemark, schloss sie 2024 ihr Masterstudium im Studiengang Barockgesang in der Klasse von Prof. Elisabeth Scholl an der Hochschule für Musik Mainz ab. Sie war Stipendiatin des Exzellenzprogramms Barock Vokal Akademie, wo sie u. a. mit Paul Goodwin, Federico Maria Sardelli, György Vashegyi, Andreas Scholl und Lawrence Zazzo arbeiten durfte. Daneben ist Emilie Assistentin an der Mainzer Barock Vokal Akademie, seit dem Sommersemester 2025 hat sie einen Lehrauftrag für Gesang am Collegium musicum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne. |
11. April 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Rolle: MeleagroMeleagro („Tirsis“): Liebhaber, große Rolle: Prinz von Tessalien, soll die Prinzessin von Arkadien, Atalanta, heiraten. Sucht vorsichtshalber zunächst incognito, als Jäger unter dem Namen Tirsis, nach ihr, verliebt sich aber sofort in sie. Doch Silvia arbeitet gegen ihn. Andrey Akhmetov (Bass-Bariton) stammt aus Sibirien. Nach dem Gesangsstudium in St. Petersburg ließ er sich von Prof. Kai Wessel in Köln im Barockgesang ausbilden. Preisträger des 3. Schtokolov Internationalen Gesangswettbewerbs, debütierte er als Nardo in Mozarts La finta giardiniera am Theater Aachen. Er sang bereits unter namhaften Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Hans-Christoph Rademann und Marcus Creed und gastierte auf internationalen Bühnen (u.a. Elbphilharmonie und Laeiszhalle Hamburg, Théâtre des Champs Elysées Paris, Concertgebouw in Amsterdam, Festspielhaus in Baden-Baden). Andrey nahm mehreren Meisterkursen, darunter bei Dame Emma Kirkby, teil. Er hat bereits früher mit Sigrid T’Hooft zusammengearbeitet. |
7. April 2026
Und wer sind unsere Interpret*innen? Rolle: SilviaSilvia: Intrigantin, große Rolle: will den fremden Prinzen Meleagro für sich gewinnen, spannt für ihre Zwecke nicht nur ihren früheren Geliebten, Amintas, der immer noch Empfindungen für Silvia hat, sondern auch Alindo, den Diener Meleagros, ein. Dohyun Lee (Koloratursopran) stammt aus Südkorea. Sie studiert Operngesang im Masterstudiengang an der Hochschule für Musik Mainz (Klasse Prof. Elisabeth Scholl) und hat bereits mehrere Wettbewerbe gewonnen. Seit der Spielzeit 2024/2025 ist sie Mitglied des Jungen Ensembles am Staatstheater Mainz und hat bereits mehrfach in Opernproduktionen in großen Rollen (u.a. Janáček, Das schlaue Füchslein) mitgewirkt. |
3. April 2026
Was wird da eigentlich vorbereitet, worum geht es in der Oper „La Costanza vince l’inganno“
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31. März 2026
Das Bühnenbild entstehtWas Carwitz im fernen Mecklenburg mit Graupner in Darmstadt zu tun hat? Niels, unser Bühnenbildner, hat seine Werkstatt ins dortige Fallada-Museum verlegt und malt derzeit die Bühnenbilder für unsere Aufführung im Ernst Ludwig Saal am 31. Mai. Zum Probenbeginn am 11. Mai werden sie dann mit einem Transporter nach Darmstadt gebracht. |
18. März 2026























Der Tod des langjährigen Thomaskantors Johann Kuhnau zwingt den Rat der Stadt, seine Nachfolge zu regeln. Wer kommt in die engere Auswahl? Die vier aussichtsreichsten Kandidaten sind Georg Philipp Telemann (1681-1767), Christoph Graupner (1683-1760), Johann Friedrich Fasch (1688–1758) und Johann Sebastian Bach (1685-1750), die jeweils ein rund 20 minütiges Portfolio ihrer Musik zusammenstellen, mit dem sie sich der Leipziger Jury so gut wie möglich präsentieren Diese Jury ist das Darmstädter Konzertpublikum am 2. Juni 2023: Wem würden Sie den Vorzug geben?
Nach langer und intensiver Vorbereitungsphase ist es so weit: Die ersten Bände der von der Christoph-Graupner-Gesellschaft in Verbindung mit






Das lange geplante Kooperationsprojekt zwischen Christoph-Graupner-Gesellschaft und der Dotter-Stiftung am 8./9. Mai 2021 findet statt!






