Christoph-Graupner-Gesellschaft

 

 

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Aktueller Suchbegriff: 341

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Direkte Einträge im GWV

GWV 341
 
Concerto. a 2 Hautb. 2 Violin. / Viola e Cembalo / Christoph Graupner
411-12 Concerto

 

Einträge in den PDF-Dokumenten der Kantaten

Mus-Ms-417-17   Ende gut und alles gut    (GWV 1167/09a)   
Mus-Ms-419-16   Furcht und Zagen    (GWV 1102/11b)   
Mus-Ms-420-07   Fleisch und Geist stimmt nicht zusammen    (GWV 1123/12)   
Mus-Ms-420-10   Ich irre noch in Sündenwegen    (GWV 1132/12a)   
Mus-Ms-420-33   Wache auf meine Ehre    (GWV 1101/12)   
Mus-Ms-424-03   Verleih dass ich aus Herzensgrund    (GWV 1114/16)   
Mus-Ms-424-25   Dein Wort lass mich bekennen    (GWV 1163/16)   
Mus-Ms-428-19   Weg verdammtes Sündenleben    (GWV 1147/20)   
Mus-Ms-430-05   Kommt lasst uns mit Jesu gehen    (GWV 1119/22)   
Mus-Ms-433-01   Danket preist Gott in der Höhe    (GWV 1109/25)   
Mus-Ms-436-05   Von Gott will ich nicht lassen    (GWV 1113/28)   
Mus-Ms-438-01   Gott man lobet dich in der Stille    (GWV 1109/30)   
Mus-Ms-438-10   Hoffen wir allein in diesem Leben    (GWV 1129/30)   
Mus-Ms-442-02   Erwacht ihr Heiden    (GWV 1111/34)   
Mus-Ms-442-03   Herr die Wasserströme erheben sich    (GWV 1115/34)   
Mus-Ms-442-24   Lass die Weinenden nicht ohne Trost    (GWV 1157/34)   
Mus-Ms-445-10   Ach Gott vom Himmel sieh darein    (GWV 1124/37)   
Mus-Ms-449-21   Jesus meine Zuversicht    (GWV 1130/41)   
Mus-Ms-449-41   Dass Gott sei ist ihnen offenbar    (GWV 1156/41)   
Mus-Ms-450-08   Seht Gottes Lamm geht hin    (GWV 1119/42)   
Mus-Ms-451-11   Betrübte Sulamith geh hin - oT: Die Liebevolle Fürbitte Jesu für seine Feinde    (GWV 1120/43)   
Mus-Ms-451-12   Betrübte Seele merke auf - oT: Der Erfreuliche Trost für den bussfertigen Schacher    (GWV 1121/43)   
Mus-Ms-451-22   Herr du bist Gott    (GWV 1174/43)   
Mus-Ms-451-55   Preise Jerusalem den Herrn    (GWV 1101/43)   
Mus-Ms-453-14   Ihr Lieben glaubet nicht einem jeglichen Geist    (GWV 1140/45)   
Mus-Ms-454-40   Sie eifern um Gott    (GWV 1106/46)   
Mus-Ms-456-06   Der Herr ist treu    (GWV 1122/48)   
Mus-Ms-458-22   Wer wahrhaftig ist der saget frei    (GWV 1104/50)   
Mus-Ms-458-25   Nun freut euch lieben Christen gemein    (GWV 1107/50)   
Mus-Ms-461-03   Der Herr ist deine Zuversicht    (GWV 1120/53)   
Mus-Ms-461-09   Ihr Heiligen lobsinget dem Herrn    (GWV 1133/53)   
Mus-Ms-461-11   Lass dir wohlgefallen die Rede    (GWV 1135/53)   
Mus-Ms-461-19   Zum Gottlosen spricht Gott    (GWV 1147/53)   
Mus-Ms-461-24   Jesus kommt zum Trost der Sünder    (GWV 1151/53)   
Mus-Ms-461-33   Weh mir dass ich so oft    (GWV 1163/53)   
Mus-Ms-461-34   Errette mich Herr    (GWV 1164/53a)   

 

Einträge bei CD-Einspielungen, Videos, Büchern, Dissertationen, usw.

 
Barockmusik aus Hessen I
  • Georg Philipp Telemann (1681-1764): Suite a-moll für Blockflöte, Streicher und B.C.
  • Johann Friedrich Fasch (1688-1758): Konzert d-moll für Oboe, Streicher und B.C.
  • Christoph Graupner (1683-1760): Canon F-Dur für 2 Violinen, Violoncello und B.C.GWV 211
  • Christoph Graupner (1683-1760): Concerto B-Dur für 2 Oboen, 2 Violinen, Viola und CembaloGWV 341
Interpreten:
  • Barockorchester La Corona, Leitung: Martin Lutz

CD 197 Bd. 1
CD
 
Christoph GRAUPNER - Concerto for 2 oboi in B-Major, GWV 341
  • Concerto B-Dur für 2 Oboen, 2 Violinen, Viola und CembaloGWV 341
Interpreten:
  • Nikolay Sheko (Oboe), Maria Sharpilo (Oboe)
  • Moscow State University Chamber Orchestra, Leitung: Alexander Konstantinov
  VIDEO

 

Sonstiger Content

 
Kantatengottesdienst zum Pfingstsonntag
  • Kantate "Reiner Geist, lass doch mein Herz" → GWV 1138/11
  • und 1. und 3. Satz aus dem Konzert B-Dur → GWV 341

Ausführende:

  • Verena Well (Sopran), Sonja Hampe und Florian Schnabel (Oboe), Esther Balázs und Annette Flender (Violine), Florian Dreisbach (Viola), Regina Arndt (Cello), Hubert Schmid (Kontrabass)
  • Cembalo, Orgel, Leitung: Christoph Hanelt

Datum: Sonntag, 4. Juni 2017, 10:00 Uhr
Ort: Gnadenkirche Fürstenfeldbruck

 

Konzert Archiv
   
Media

Wir stellen Ihnen hier Material über Christoph Graupner zur Verfügung. Dies Material darf generell nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Bitte beachten Sie die jeweiligen Nutzungsbedingungen. Fragen Sie im Zweifelsfall bei uns über eine erweiterte Nutzung nach.

 

Bilder von Christoph Graupner

Leider sind bis heute keine Bildnisse von Christoph Graupner gefunden worden. Er selber hat sich stets geweigert, abgebildet zu werden. Alleine seine Unterschrift (unter fast allen seiner Werke) gilt als authentisch verbürgt.

Unterschrift

Unterschrift Christoph Graupners mit Autograph
Unterschrift Christoph Graupners
mit Notenincipit

2869 × 1029, 72 dpi, 4,7 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Unterschrift Christoph Graupners mit Autograph
Unterschrift Christoph Graupners
1220 × 490, 72 dpi, 1.0 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

 


Folgende Bilder aus Graupner Wirkungsstätten und Umfeld können stattdessen verwendet werden:

Bilder seiner Hauptwirkungsstätte Darmstadt aus dem 19. Jahrhundert

Grossherzogliches Residenzschloss, Gemäde von C.W. Leske

Grossherzogliches Residenzschloss von der Nordseite
erschienen im C.W. Leske Verlag
3120 × 2454, 180 dpi, 7,7 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Darmstadt von der Südseite, Gemäde von C.W. Leske

Darmstadt von der Südseite
erschienen im C.W. Leske Verlag
3204 × 2496, 180 dpi, 8,0 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Der Glockenturm zu Darmstadt, Gemäde von C.W. Leske

Der Glockenturm zu Darmstadt
erschienen im C.W. Leske Verlag
3306 × 2658, 180 dpi, 8,4 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Der Marktplatz zu Darmstadt, Gemäde von C.W. Leske

Der Marktplatz zu Darmstadt
erschienen im C.W. Leske Verlag
3084 × 2472, 180 dpi, 6,5 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Der Platz am weissen Turm zu Darmstadt, Gemäde von C.W. Leske

Der Platz am weissen Turm zu Darmstadt
erschienen im C.W. Leske Verlag
3246 × 2514, 180 dpi, 7,8 MByte
© Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

 

 

Bilder aus Opernaufführungen

Szenenfotos aus der Produktion Berenice und Lucilla oder das tugendhafte Lieben, die 2010 im Rahmen der Veranstaltungen zur 250. Wiederkehr von Graupners Todestag in der Darmstädter Orangerie durch Wolfgang Seeliger und die Darmstädter Hofkapelle nach 300 Jahren erstmals wieder aufgeführt wurde. Die szenische Realisierung lag in der Händen der belgischen Barockspezialistin Sigrid T’Hooft. Einen Ausschnitt von 7:08 min. können Sie auf Youtube erleben.

Oper Berenice und Ludmilla von Christoph Graupner, Probenbilder von 2010
5616 × 3744px, 350 dpi,
11,5 MByte
Oper Berenice und Ludmilla von Christoph Graupner, Probenbilder von 2010
5616 × 3744px, 350 dpi,
13,3 MByte
Oper Berenice und Ludmilla von Christoph Graupner, Probenbilder von 2010
5616 × 3744px, 350 dpi,
14,3 MByte
Oper Berenice und Ludmilla von Christoph Graupner, Probenbilder von 2010
5616 × 3744px, 350 dpi,
14,0 MByte
Oper Berenice und Ludmilla von Christoph Graupner, Probenbilder von 2010
5616 × 3744px, 350 dpi,
12,8 MByte

Nutzungsrechte:  Creative Commons Version CC BY-NC-ND 3.0 DE
Nennung: © Christoph-Graupner-Gesellschaft e.V.

 

Beispiele für Autographe und Transkriptionen von Christoph Graupners Musik

Reformationskantate → GWV 1173/17

Originaltitel: Texte zur Kirchen-Music, welche den 31. Oktober im Jahre MDCCXVII, als dem grossen Evangelischen Jubel-Fest der REFORMATION LUTHERI in der Hoch.Fürstl. Darmstädtischen Hoff-Capelle musiciret worden. 

Eintrag an der ULB: Mus-Ms-425-01


Titelseite

1. Seite des Partiturautographen

1. Seite der Transkription

Quellen/Nutzung:

Aufnahmen: es liegen zur Zeit hierfür keine bekannten Aufnahmen vor; Aufführungen am Freitag, 7. Juli 2017 in Erlangen, am 341-vespers-to-celebrate-the-500th-anniversary-of-the-reformation" rel="alternate">Sonntag, 29. Oktober 2017, 16.30 Uhr in York, UK und am Dienstag, 31. Oktober 2017 in Wiesbaden.

 

Ouvertüre A-Dur → GWV 474

Originaltitel: Ouverture a 2 Violin. Viola / e Cembalo. / Christoph Graupner.

Eintrag an der ULB: Mus-Ms-464-22


1. Seite des Autographen

1. Seite des 5. Stückes "La Calma"
der Transkription
Quellen/Nutzung:

Aufnahmen: es liegen zur Zeit hierfür keine bekannten Aufnahmen vor

Media
 
Tagungsbericht Jagdschloss Kranichstein 30.11. - 2.12.2018

Internationale Tagung im Jagdschloss Kranichstein als Kooperation der Abteilung Musikwissenschaft (IKM) der Johannes Gutenberg-Universität und der Musikhochschule Mainz in Verbindung mit der Christoph-Graupner-Gesellschaft Darmstadt und der Stiftung Jagdschloss Kranichstein 30.11. - 2.12.2018

Die Grundlagenforschung der Kulturwissenschaften besteht im Studium historischer Originalquellen in Archiven und Bibliotheken. In diesem Sinne war die Tagung zur aktiven künstlerischen, insbesondere musikalischen Betätigung von Landesfürsten und des Hofadels insgesamt im Zeitalter des Barock eine eindrucksvolle Präsentation ebenso lebendiger wie ertragreicher gegenständlicher Forschung. Dass diese gerade in der Musikwissenschaft, deren zentraler Forschungsgegenstand die ohne Erklingen nie vollständig aussagekräftige Notenschrift ist, noch zwingender als in anderen Disziplinen Bereicherung erfährt, ja erfahren muss durch interdisziplinäre Blicke z.B. in die Sozial- oder Kunstgeschichte, konnte man in dem differenziert zusammengesetzten Referentenkreis aus Musikwissenschaftlern, Historikern, Archivaren und ausübenden Künstlern intensiv erleben.

Im historisch passenden Ambiente des am Rande Darmstadts gelegenen, ehemaligen landgräflichen Jagdschlosses Kranichstein gelang es zudem, die Intensität der Beschäftigung mit den Gegebenheiten des 18. Jahrhunderts noch zu isteigern, indem die höfische Vergangenheit auf Schritt und Tritt gegenwärtig war. 

In drei thematischen Blöcken näherten sich die Vortragenden dem Hauptgegenstand, Landgraf Ernst Ludwigs aktiver musikalischer und tänzerischer Betätigung, bezeugt durch zwei zentrale handschriftliche Quellen in der historischen Musiksammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, aus verschiedenen kulturhistorischen Blickwinkeln an.

Die erste Sektion („Paris als Ort kultureller Orientierung“) diente der Erstellung eines inhaltlichen Fundamentes für die zentrale Fragestellung, indem zunächst der europäische Kontext durchmessen wurde, in dem sich dieVernetzung künstlerisch interessierter und tätiger Fürsten des Barockzeitalters abspielte. Die Höfe von Bayern, Frankreich und Italien wurden exemplarisch in den Mittelpunkt gestellt. 

Klaus Pietschmann (Mainz) steckte im Eröffnungsvortrag „Fürsten als Künstler“ den Rahmen ab, innerhalb dessen die Deutung jeglicher künstlerischer Betätigungen des Hofadels sich als unauflöslich abhängig erwies von Repräsentation und Zeremoniell des höfischen Lebens, dauerhaft dokumentiert durch Baldassare Castigliones Cortegiano. Die dazu zwingend gehörenden gegenseitigen Besuche regierender Landesherrscher boten Gelegenheiten, deren künstlerische Ambitionen im geschützten Bereich des vertrauten Milieus präsentieren zu können. Dies erschien um so wichtiger, als offenbar speziell mit der Musikausübung eine zuweilen leicht abwertende Beurteilung verbunden wurde in dem Sinne, dass der Musik und dem Tanz im Vergleich zu Literatur oder Philosophie etwas Leichtfertiges im Sinne von Müßiggang und Laster anhaften könne. Demzufolge lasse sich aus den Quellen herauslesen, dass herrscherliche Musikausübung bei öffentlichen Anlässen wohlkalkuliert zur Schau gestellt wurde.

Andrea Zedler (Bayreuth) bekräftigte anhand der Kavaliersreisen der fünf kurbayerischen Prinzen zwischen 1715 und 1725 die Beobachtung, dass musikalische Aktivitäten von Personen fürstlichen Ranges stets eingebettet waren in den politischen Austausch regierender Kollegen und die dazu obligatorischen Besuche von Hof zu Hof. Musik und Tanz wurden als Teil einer mit politischen Anliegen verknüpften Reisekultur betrachtet und erlebt, vor deren Hintergrund eine erhellende Kategorisierung entsprechender Aufführungen nach unterschiedlichen Kontexten von Zeit, Ort und Milieu deutlich werden konnte: entscheidend für Machart und Niveau des Dargebotenen sei die jeweilige Adressierungssituation gewesen. Diese wiederum war Teil einer ausgeklügelten Profilierungsplanung junger Fürsten aus konkurrierenden Residenzen und, wie Zedler an den konkreten Reisen der Prinzen zeigen konnte, an deren vorherbestimmte politische Anlässe gebunden.

Die Konzentration auf sozial geschlossene Adelskreise als Adressaten fürstlicher Musikausübung untermauerte Margret Scharrer (Saarbrücken) mit der Einführung des historisch positiv konnotierten  Dilettantenbegriffs als verbindenden Merkmals für die überwiegende Mehrheit fürstlicher Künstler. Der französische Hof Ludwigs XIV. und seiner Nachkommen mit dem damaligen Leuchtturm höfischer Leitkultur in Versailles stellte diesbezüglich keine Ausnahme dar, vielmehr bestätigte die dort übliche Praxis die Gesetzmäßigkeiten, die im absolutistischen Zeitalter gewissermaßen natürliche soziokulturelle Grenzen für eine, wenn auch von den Protagonisten oft sehr geliebte und von berühmten Musikern gelehrte, Nebenrolle festlegten.

Die gleichsam europäische Grand Tour entlang der kulturell maßgeblichen Höfe in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vervollständigte Berthold Over (Mainz/München), indem er sich auf die Suche nach dem spezifischen Habitus adliger Musiker in Italien begab, der geprägt war vom höfischen Adelsethos, kultureller Erziehung und konkreter Musikproduktion als Komponist. Der süditalienische Principe Giacomo Francesco Milano wurde beispielhaft für eine Schicht nicht regierender, dennoch sich in hohen höfischen Kreisen bewegender Adliger vorgestellt, die – jenseits der im Absolutismus französischer Prägung obligatorischen Repräsentation – sich mit Muße und Konzentration im intimen Rahmen der musica da camera ernsthaft dem Komponieren widmen konnten. Over machte eine neapolitanische Kompositionstradition aus, deren Musiksprache expressiver dissonanter Harmonik in der Nachfolge des adligen Carlo Gesualdo sich in einem Marienoratorium Milanos wiederfinden lässt.

Die maßgeblichen Facetten der Musikausübung im höfischen Alltag – Reisen, repräsentative Zwecke und umfassende Ausbildung, für die man sich, unbelastet von ökonomischen Zwängen, die besten Komponisten als Lehrer leistete – wurden vertieft durch den ersten Beitrag, der den titelgebenden Landgrafen Ernst Ludwig selbst in den Mittelpunkt stellte. Rainer Maaß (Darmstadt) bestätigte und untermauerte mit seinem aus archivalischen Quellen extrahierten Bericht über die Kavaliersreisen des jungen Erbprinzen nach Paris und London erstens den exorbitanten Einfluss des französischen Hofes auf nahezu alle Formen fürstlicher Hinwendung zu Musik und Tanz, zweitens die wichtige Rolle des Unterrichts durch bedeutende Komponisten und drittens die Bedeutung der künstlerischen Transferbewegungen durch den Austausch zwischen deutschen und europäischen Höfen. Die erhaltenen Katalogisate von im 2. Weltkrieg zerstörten, früheren Beständen der Darmstädter Hofmusiksammlung bezeugen das Vorhandensein der Noten von mehreren Opern Lullys in Darmstadt. Hinzu kam die darmstädtische Spezialität der überaus musikinteressierten Mutter Ernst Ludwigs, Landgräfin Elisabeth Dorothea, die aktiv die Hofkapelle durch Anwerbung von Musikern optimierte und diese Ambitionen wohl ihrem Sohn vererbte.

Dass das in seinen Rahmenbedingungen flächendeckend artifizielle, hoch verfeinerte, an Etiketten  zuweilen fast erstickende Hofleben die Musik und darstellende Künste auch als Gegenpart individueller Freiräume brauchte, thematisierte Rouven Pons (Wiesbaden), indem er den Begriff des Dilettantismus aus sozialgeschichtlicher Perspektive aufnahm und ihn, quellengestützt und ergänzt durch ikonographische Beispiele, beleuchtete als in Adelskreisen verbreitetes Rezept gegen gepflegte Langeweile. Dabei kamen Aspekte der Zerstreuung und Triebsublimierung zum Vorschein, ohne die offenbar die gesamte Palette der Kunstausübung an Fürstenhöfen nicht vollständig bewertet werden kann. Es erscheint schließlich auch folgerichtig, dass nicht jedes Mitglied der Hofgesellschaft bei Musik- und Tanzdarbietungen zum Genie werden konnte, so dass das Moment der demonstrativen Zurschaustellung von Kultiviertheit unbedingt zum Gesamtbild des Phänomens Fürst als Künstler gehört, zumal das Erlernen mindestens eines Musikinstrumentes im gängigen Ausbildungskanon junger Adliger festgeschrieben war.

Vor diesem interdisziplinär errichteten Prospekt über die Hintergründe und Umstände der Musik am Fürstenhof konnten in der zweiten Sektion („Ernst Ludwig und die Musik“) die spezifischen Bedingungen für die kompositorischen und tänzerischen Aktivitäten Landgraf Ernst Ludwigs herausgearbeitet werden.

Roswitha Jacobsen (Gotha) widmete sich angesichts der besonderen Rolle der Landgrafenmutter Elisabeth Dorothea deren eigener musikalischer Sozialisation als Prinzessin am Gothaer Hof. Die prägende Atmosphäre und kulturelle Tradition der streng lutherischen Hofhaltung vervollständigte das Thema Prinzenerziehung jenseits des absolutistischen Prunkes nach französischem Vorbild um die Bedeutung der Kirchenmusik in der mitteldeutsch-protestantischen Tradition. Ein verbindendes Element zum Themenkern zeigte sich dennoch, da auch hier der Musik eine auflockernde Qualität innerhalb der reglementierten religiösen Erziehung zugeschrieben wurde. Eine historische Lücke füllte der Beitrag überdies mit dem aufgrund detaillierter Quellenauswertung gewonnenen, seltenen Beispiel für bezeugten Musikunterricht für weibliche Mitglieder der Hofgemeinschaft.

Wenn die vokale Kirchenmusik so wichtig für die musikalische Grundausbildung des Darmstädter Landgrafen war, so konnte dies nur im Einklang mit der dahinterstehenden Dichtung geschehen, deren Stellung innerhalb des Erziehungskanons junger Fürsten von Helga Meise (Reims) erläutert wurde. Dass der Poesie nicht nur, wie in allgemein höfischer Sichtweise, ein künstlerisch höherer, weil ernsterer Stellenwert zugeschrieben wurde als der Musik, sondern dass sie einen ebenso tiefen künstlerischen Ausdruckswert hatte, war für Ernst Ludwigs Lehrjahre offenkundig essentiell, wie anhand der umfangreich erhaltenen Schreibkalender des Darmstädter Hofs nachgewiesen werden kann. Der Prinz schrieb Gedichte, verarbeitete Verlust und Trauer mit poetischen Leichenpredigten und wertete damit die (geistliche) Dichtung als Partnerin der Musik auf – sichtbare Voraussetzung für die Schwerpunkte, die er als musikliebender regierender Fürst später dem Zusammenspiel der Künste an seinem Hof zugestehen sollte.

Bestätigt wurde die Bedeutung dialogisch ausgerichteter protestantischer Dichtung als Grundlage für Vertonungen, die wiederum eigene musikalische Gattungen hervorbrachten, durch Rashid Pegah (Berlin), der einen prägnanten, verdichteten Blick auf sogenannte Gesprächsspiele am Darmstädter Hof warf: anlassbezogene, allegorische Festmusiken, die vermutlich vom Hofkapellmeister des späten 17. Jahrhunderts, Wolfgang Carl Briegel, komponiert wurden und die, indem einzelne Rollen bestimmten Personen des Hofes zugeordnet wurden, als Keimzelle angesehen werden können für die späteren, unter Briegels Nachfolger Graupner regelmäßig im großen Stil für zeremonielle Ereignisse der landgräflichen Familie produzierten Festkantaten.

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Derart eingeleitet durch die Hinwendung zur konkreten musikalischen Produktion am Darmstädter Hof widmete sich Ursula Kramer (Mainz/Darmstadt) der genaueren Beleuchtung von Entstehungsumständen und Vorbildern einer der Originalquellen, die den Anlass zur Tagung gegeben hatten: die sowohl handschriftlich als auch in zwei identischen Druckausgaben in der Musiksammlung der Universitäts- und Landesbibliothek erhaltene Ausgabe von Suitenkompositionen des Landgrafen Ernst Ludwig, Partition de 12 Suites et Symphonies 1718.  Die unmittelbare Quellenforschung aufgrund einer Parallelüberlieferung in der Musiksammlung wurde zur Aufstellung von drei Thesen herangezogen: Erstens der Möglichkeit eines Studienvorbildes für die Machart von Ernst Ludwigs Ouverturen nach französischen Vorbildern als solcher; zweitens hinsichtlich der Überarbeitung des Tonsatzes, was anhand der Gegenüberstellung von Manuskript und Druck demonstriert werden konnte, deren Machart einen professionellen Komponisten vermuten lässt – welche Beobachtung wiederum die Beteiligung von Graupner selbst nahelegt; und drittens den direkten Bezug zur Pflege des Tanzes am Hof.

Europäisches Netzwerk und Ergebnisse des daraus erwachsenen Austauschs zwischen künstlerisch tätigen Regenten in Gestalt überlieferter musikalischer Werke wurden von Gabriela Krombach (Mainz) im imaginären Brennglas anhand der erhaltenen Kompositionen von Friedrich Karl Graf zu Erbach (Darmstadt benachbart im Odenwald) untersucht. Die Sammlung von Trios für verschiedene Melodieinstrumente und B.c., als Divertimenti armonici in der Darmstädter Sammlung vorhanden, offenbart in ihrer vorangestellten Widmungsschrift eine gegenseitige Dedikation von Graf Erbach an Landgraf Ernst Ludwig und umgekehrt, welche ihrerseits eine Art Teilstück innerhalb der Beziehungsgeflechts zwischen den Protagonisten schöngeistig orientierter Adelskreise in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts darstellte. Im südhessischen Dreieck Darmstadt – Frankfurt – Erbach spielte sich im engen regionalen Rahmen die gleiche wechselseitige Inspiration von Fürsten (Ernst Ludwig, Graf Erbach), Komponisten (Telemann) und Textdichtern (Johann Friedrich v. Uffenbach) ab wie im übergeordneten Zusammenhang der Fürstenhöfe Europas. Dass die eingehende Analyse der kompositorischen Technik in den Werken Graf Erbachs hinsichtlich der musikalischen Qualität als typisch für einen adligen Dilettanten eingestuft werden konnte, bestätigte eines der Kernthemen der Tagung.

Die dritte und letzte Sektion („Vergleichende Fallbeispiele“) verfestigte über die Untersuchung spezieller Bezüge in einzelnen Residenzen den Eindruck einer deutschlandweiten und europäisch beeinflussten Allianz musikliebender und -ausübender regierender Fürsten anhand der exemplarischen Betrachtung von Zeugnissen zur konkreten musikalischen Betätigung der jeweiligen Herrscher.

Margret Scharrer (Saarbrücken) führte in einem zweiten Beitrag das Beispiel des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel – des Vaters der in ihrem ersten Vortrag vorgeführten fünf reisenden Prinzen – aus, der sich über das übliche dilettierende Laienmusikertum hinaus als Gambenvirtuose einen Namen auch in französischen Hofkreisen gemacht hatte. Seine fachliche Korrespondenz mit bekannten Komponisten wie Forqueray und Marais sowie der intensive Austausch mit Gemahlin und Mätresse über das Gambenspiel belegen ebenso wie der bezeugte, organisierte Instrumenten- und Notenerwerb zwischen München und Paris, dass die Musik an diesem Hof eine ungewöhnlich gewichtige Rolle spielte; wiewohl die Quellenlage die Gambe in der Zeit um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert als typisches Instrument des Adels erkennen lässt. Dies wurde erhärtet von der engagierten Weitergabe der eigenen Musikalität an die kurfürstlichen Kinder, was durch mehrere zeitgenössische Gemälde untermauert werden konnte.

Die gleichsam leitmotivisch die Tagung durchziehenden Einflüsse des französischen Hofes für die ästhetische Bildung an deutschen Fürstenhöfen schienen noch einmal hell auf anhand der Tanzhandschrift La Hessoise Darmstadtdes am Münchner Hof tätigen französischen Tanzmeisters Dubreil; spielte doch der Tanz die eigentlich zentrale Rolle für die gesellschaftliche Repräsentation bei Hofe. Carola Finkel (Frankfurt am Main) hatte sich der schwierigen historischen Choreographie-Notation kompetent genähert und daraus Hinweise für ein aus andernorts entstandenen Tanzsätzen zusammengesetztes Ballet mit den in Frankreich gebräuchlichen Einzeltänzen extrahieren können. Datierte Quellen der Tanzsätze mit Angabe der Widmungsträger lassen einen Nachvollzug der Wege durch die Residenzen zu, der 1718 – im selben Jahr wie die Suitenkompositionen des Landgrafen – in jenes Ernst Ludwig gewidmete und wohl zu seiner Musik getanzte Ballet mündet, das außerdem wohl der Bewerbung für die Stelle am Hof dienen sollte; ein vielfach bezeugter und verbreiteter, pragmatischer Zweck von Dedikationen.

Der bisher ausgebreitete Bilderbogen verschiedenster Grade und Stufen der künstlerischen Betätigung des Hofadels im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert wurde eindringlich abgerundet durch zwei Beispiele für Musikpflege und aktives Komponieren an zwei weiteren, mit Darmstadt in Verbindung stehenden Höfen.

Reinmar Emans (Hamburg) bestätigte mit seinen Ausführungen über die Musikerziehung und -aufführung in Braunschweig-Wolfenbüttel anhand der Entwicklung der Hofkapelle während mehrerer Herrschergenerationen die wesentlichen Befunde der Motive und Zwecke höfischen Musizierens: Existenz eines didaktischen Kanons, ikonographisch dokumentiertes Instrumentalspiel, Verbindung von Musik und Dichtung in allegorischen Singspielen, basierend auf der spezifisch protestantischen Wort-Ton Religiosität – zusammengefasst Aspekte, die eine deutsche Hofmusikkultur vom französischen Vorbild unterschieden und ihr eigenes Gepräge gaben.

Dass es neben all den Beobachtungen von Gesetzmäßigkeiten der musikalischen Praxis in fürstlichen Kreisen auch die Ausnahme eines exzessiv und anspruchsvoll komponierenden Monarchen gab, zeigte Greta Haenen (Bremen/Saarbrücken) an den als „Schlafkammerbibliothek“ überlieferten Kompositionen Kaiser Leopolds I., innerhalb derer sie allein 200 musikdramatische Werke identifizieren konnte.

Silvia Uhlemann

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